Italy ’15

Toskana, San Gimignano, Volterra, Florenz, Cinque Terre, Lago Maggiore

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Weg gewesen

Dieser Beitrag ist das, was mir in den letzten 6 Wochen so durch den Kopf schoß. Relativ ungefiltert.
Für die, die es noch nicht wissen, ich war WWOOFen in Frankreich. Vorher sind mehr als verrückte Sachen passiert. Dort auch, aber anders.

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Ich bin gestern neun Stunden am Stück mit dem Auto gefahren. Alleine. Das hab ich noch nicht so ganz verarbeitet.
Jetzt sitze ich in Flaceleyre, einem Ort, den es je nach Karte mal gibt, oder auch nicht. Und der weder Straßennamen, noch Straßen, geschweige denn Hausnummern hat. Das hab ich auch noch nicht ganz verarbeitet. Der riesige Stein der sich auf den letzten Kilometern gebildet hat, weil ich absolut keine Ahnung hatte, wie ich den Hof mitten in der Nacht ohne eben Straße oder Hausnummer finden sollte, zerbröselt.
Heute von Hand eine handvoll Quadratmeter Kartoffeln von Kartoffelkäfer, seinen Larven und seinen Eiern zu befreien. Hab ich noch nicht verarbeitet. Annähernd den Lifestyle der Leute hier. Noch nicht verabeitet. Plumsklo, Essen und Gastfreundschaft. Nicht verarbeitet. Willis Tod. Nicht verarbeitet.

~

Zu Hause
Zimmer
Wecker
Handarbeit
Handarbeit

Ich denke an zu Hause. Bin gerade eins, zwei Tage hier und denke an zu Hause und vermiss mal wieder alle. Es ist wieder die Phase, aber anders als beim letzten Mal. Besser! Ich freu mich, wenn Sie in gut zwei Wochen genau hier auf der Matte steht.
Life’s getting good again!

Ich glaub, ich geh mal duschen.

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No_way

Vier Dudesons, enorme Spritpreise, lebendige Blutsaugerwolken, viele, viele Selbstgedrehte, Salzgeschmack, Raucharoma, ein Festival mitten im Meer, unendliche Dunkelheit, mehrere verbrannte Raummeter Lagerfeuer, Nordschleifen-Fahrerskills, Makrelen, Kaviarpaste, Walburger, Grillpølse, 360° Tag, schrumpelkaltes Wasser, ein geländegängiger Avensis, chronisch leere Akkus, ständig volle Speicherkarten und das teuerste Bier später:

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Kratz die Kacke ins Notizbuch

„Ich fühl mich so dreckig und verschwitzt.“ sagte sie
„Deine Mudda is‘ dreckig und verschwitzt!“


Ich hing nur Zentimeter überm Boden, fix & fertig in der Camping Bestuhlung und nuckelte bei 32 Grad im Schatten an meinem dritten Bier.
Wir waren auf Hvar angekommen. Ein Inselidyll mit nur vier Orten auf 70 Kilometer Länge. In diesen vier Orten sammelten sich locker flockig 4000 Touristen. Im Schatten.
Ich begann wie ein Irrer die Seiten meines Notizbuches zu füllen. Der Alkohol kratzte den Bleistift übers Papier. Ich zog das Bier leer und schrieb merkwürdige Dinge wie ‚locker flockig‘. Ich nahm mir schwer vor ein Buch zu schreiben. In Gedanken zählte ich nach…
Das wäre dann der dritte oder vierte Versuch. Nie war ich über drei oder vier Seiten hinaus gekommen. Jetzt war ich bereit. Wenn ich nur eine Schreibmaschine oder ein MacBook zur Hand hätte. Der Bleistiftfinger wurde müde. Ich grinste doof und griffelte nach dem nächsten Bier in der muffig-warmen Kühlbox, in der zwei Rotbärsche (Plural) in den Säften ihrer Eingeweide schwammen.
Stöhnend stand ich auf und genoß den Moment in dem mir fast schwarz vor Augen wurde. Mein kleines High.
„Die Duschen sind gemischt.“ Sie stand wieder hinter mir.
„Deine Mudda ist gemischt!“

Wracks der Bretagne

In einer Bucht der Odet in der Bretagne liegen seit ich mich erinnern kann alte Fischkutter und sind der immer wieder anbrandenden Flut ausgesetzt, bis der Lack abgesprungen, das Holz verrottet, das Metall verrostet und die Erinnerung verblichen ist. Bis dahin kann ich einfach nicht aufhören jedesmal wenn ich vorbeifahre hinzustarren.
Also hab ich mir im letzten Urlaub die 7D geschnappt und bin mit Chucks in die Matsche gesprungen

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Si Señora, Si Señora ’06 – Teil 2

Was bisher geschah…

 

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Ich verfolge eine Taktik des Nichteincremens. Schon immer. Ich hasse Creme. Also kühle ich mich etwa alle 20 Minuten im Meer ab.
Michael klatscht sich schnell und unorganisiert ein bisschen Creme auf den Bauch. Am Abend werden seine Finger ein lustiges Muster gezeichnet haben.

Ich sitze am Rand unserer Strand-Enklave im Arschloch-zockenden-Bereich. Ein paar Leute sind im Wasser, andere sind unterwegs zu McDonalds oder einfach noch nicht wach. Guido, Markus und Levent kommen erst gegen halb fünf verballert, aber ausgeschlafen an den Strand.
Die Mädchen versuchen möglichst gleichmäßig braun zu werden, während sie darüber diskutieren, wie es ist schwul zu sein. Der Stufensprecher hatte sich geoutet.
Ich bin damit beschäftigt mein Bier möglichst kältegeschützt im kiesigen Sand zu verbuddeln.
Mindestens einmal in der Stunde ist man unterwegs um Essen oder kaltes Bier zu besorgen.

„Lass diven gehn“ schreit Hußlein herüber.
Trainierte Taucherlunge kämpft gegen trainierte Leber.
Die kalte Wasseroberfläche schließt sich über dem Kopf und die Kopfschmerzen, die sich gefährlich einem Sonnenstich nähern, werden gelindert. Wir hängen im Wasser, lassen uns treiben, oder tauchen bis zum Grund. Das Meer ist vielleicht 6 Meter tief. Nicht genug um zu regenerieren.
Außerdem lassen das Luftanhalten und der wilde Wechsel zwischen kalt und heiß, zwischen spanischer Bierpampe und Mittelmeer mein Hirn wie im Wellenbad hin und her schlagen. Ich machs mir an der Wasseroberfläche gemütlich. Sicherheitshalber. Mageninhaltbehaltenderweise.
Schlicht, der nur so heißt, weil es sein Nachname ist, versucht gerade in seiner Erinnerung verlorengegangene Stücke zu rekonstruieren. Jedem fehlt ein bisschen. Ich höre gespannt zu und beobachte den Ameisenhaufen am Strand. Die gesamte Farbskala an Handdtüchern, Badehosen und Bikinis.
„Watt hab ich…Ach du Scheiße?!“
Franziska zieht als erstes blank. Ich murmel „Oh, hat die erste die Titten aufen Tisch gelegt“ als ich mich wieder beim Karten spielenden Kollektiv niederlasse.

Heute endet der Strandtag früh.
Deutschland spielt gegen Schweden und die ganze Stadt ist auf den Beinen.
Wir verlieren den Anschluß zum Rest der Gruppe, als wir uns schnell noch ein pappiges Käse-Schinken-Baguette mitnehmen. Es ist voll und heiß und wir passieren wiederholt nervöse Mosos-Legionen.
„Irgendwo muss die Scheißkneipe doch sein.“
Michael sieht, dem Sonnenbrand geschuldet, mittlerweile aus wie die östereichische Flagge. Oberkörper und Waden rot, dazwischen weiß.
Auf seiner Backe hat er, ganz Patriot, die polnische Flagge falsch herum gemalt. Es braucht zwei Stunden bis ihn Fabian darauf aufmerksam macht.
Nahezu die gesamte Stufe hat sich zu den gefühlten 1000 Deutschen in der Bar eingefunden. Wir exen schnell unser Wegbiere und schummeln uns durch den gesamten Laden bis zur Leinwand. Mein Platz ist so gut, ich kann dank einer Säule sogar Splitscreen sehen. Aber bei einem verlockenden Angebot von ‚ziemlich viel Sangria‘ für 3€ komme ich mit dem gucken gar nicht so recht nach.
„Laber, da vorne stehn Schwedinen!“
„Wo?“
Ich habe das kleine Grüppchen Blau-gelb bekleideter Blondinen als Erster ausgemacht. Rechts von der Leinwand, an vorderster Front trotzen sie dem deutschen Fangebrüll. Auf dem Bildschirm stehts leider schon 2:0. Das tut mir ein bisschen leid, auch das betrunkene Rumgeschreie. In meinem von süßem Rotwein und Orangenscheiben verklebten Kopf beschließe ich mich für den Sieg und unser Verhalten zu entschuldigen. Ich stiefel los. Immer geradeaus durch die gröhlende Menge. Als ich das WC-Schild sehe, denke ich, wenn du schonmal hier bist, kannste ja auch gleich nochmal pissen gehn. Ich komme vom Klo und hab meinen Plan vergessen. Fällt mir erst wieder ein, nachdem ich mich wieder bis zu meinen Freunden hinter der Säule durchgekämpft habe. Scheiß auf Völkerverständigung.
Spätestens seit der Halbzeit ist klar, dass die Freundenfeier bei Abpfiff leicht ausser Kontrolle geraten könnte, und so ergießen sich aus sämtlichen Kneipen tausende heisere Fans auf die Hauptstraße.
Bei den Mosos steigt der Blutdruck angesichts einer autonomen Übermacht, aber vor lauter Fans sehe ich keinen einzigen Polizisten mehr. Mit einer Humba nach der anderen kommen wir nur schleppend voran und so ist die Hauptstraße etwa eine Stunde unfreiwillig gesperrt, bis der Letzte von der Straße auf den Strand gespült wird.

Ich komme vom Supermarkt mit einem kurzen Umweg übers Baguette-Büdchen und keiner ist da. Ich stehe vor verschloßener Tür.
Zimmernummer… Stimmt, Berg aus leeren Flaschen der sich vor der Tür angehäuft hat… Stimmt auch.
Das Baguette tropft seine Eingeweide auf Hose und Boden, mein Rucksack ist bis zum Zerreißen mit 1-Liter-San Miguel und Sangria Pullen gefüllt und ich klopfe wie ein Bekloppter gegen die Zimmertür und bereue flashbackartig den Schlüßel an einen der beiden versoffenen Vögel abgegeben zu haben. Ich hab vergessen an wen.

Erst versuche ich’s bei den Mädels im fünften Stock.
In einem Dreibettzimmer sind 15 Leute versammelt. Fabian und Jan-Erik sind die einzigen beiden Jungs.
„Hast’n Micha geseh’n?“
„Nö.“
„Schlüßel?“
„Häh…nö.“
Zwei Stockwerke tiefer klopf ich laut an die Tür von Moritz Levent und Schlicht. Ich bin genervt, weil sich die Alkoholvorräte unserer Wohngemeinschaft tief in meinen Sonnenbrand an Rücken und Schultern verbeißen. Eigentlich herrscht Alkoholverbot im Hotel, was den Transport ins Zimmer ohnehin immerwieder zum klimpernden Wagnis werden lässt.
Aus dem Zimmer dröhnt ohne Rücksicht auf Verluste ‚Sureshot‘ von Tomcraft. Irgendwann macht irgendwer die Tür auf. Schlicht liegt leichenstarr im Bett und pennt laut schnarchend. Dabei steht sein Arm periskopartig senkrecht angewinkelt ab.
„Wie kann der denn so schlafen?“
„Keine Ahnung. Der is einfach vor ner Stunde wortlos aufgestanden, ins Bett gegangen und seitdem liegt der da so.“
„Is der Micha hier?“
„Hiiiieer!“
Aus der letzten Ecke des Balkons winkt eine Hand mit Tüte.
Fertig und verschwitzt lasse ich mich auf den Balkonboden fallen und kralle mir gierig Schlüßel und Tüte. Ich höre beiläufig einer Geschichte aus irgendeinem Mädchenzimmer zu.
Demnach durfte der nun unparteiische Stufensprecher soeben fachgerecht beurteilen welches Mädchen unserer Stufe die schönsten Brüste hat.
Einvernehmliches Raunen und „WAS HAT DER?!“
Dazu mussten sich natürlich alle vor dem Juror entblößem und es soll stellenweise auch zu habtischen Prüfungen gekommen sein.
„WAS?!“
Neidvolle Gesichter. Alle ärgern sich, dass sie nicht schwul sind. So als Masche.
„Und wer hat gewonnen?“
„Ich glaub Henrike.“
„WAS?!“ Christopher scheint das nicht sehr zu gefallen.
Von unserer ganzen Gruppe werden nur Dreibettzimmer belegt. Einzige Ausnahme Christopher und Henrike. Die sind zusammen.
Ich schweife ab, bin dabei eine Sangriaflasche zu öffnen, hab kein Glas.
Während ich mir mit einem stumpfen Taschenmesser aus einer Plastikflasche einen Becher herrauspfeile hangelt Guido den direkten Weg zwischen diesem und dem genau über uns liegendem Zimmer hinunter. Unter heftigem Geschrei des Portier, der sich das zusammen mit einer johlende Masse vom Pool aus ansieht. Danach zählt er plakativ die Etagen und Zimmer ab. Drei hoch…vier rechts…
Zuviel Hektik, zuviel Wein, ich brauch Schlaf.

Als der Schaum einsetzt ertrinke ich fast.
Wie ein Irrer hab ich mich darauf gefreut. Um punkt 12 steh ich mitten auf der Tanzfläche, um mich herum alle meine Freunde und dann kommt der Schaum.
Alle jubeln, alle schreien, tanzen…atmen ein…wollen schreien.
Dann sehe ich nichts mehr. Nur noch Schaum, Schaum, Schaum, dunkle Silhouetten und buntes Licht von oben, aber mir wir schlagartig klar wo bei der Schaumparty der Haken liegt. Man kann einfach nicht mehr atmen.
Ich fange an wild rumzuhusten, verschlucke mich, erinnere mich geistesabwesend des halben Bieres, das ich manisch umklammere, trinke ein Schluck und kann dann nur noch würgen. Ich würge mich von der Tanzfläche zur Bar und bestelle gurgelnd ein neues Bier. Mittlerweile kommen noch mehr an die Bar geflüchtet. Mareike wird dramatisch von Levent gestützt, spricht davon, dass er ihr das Leben gerettet hat.
Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Das merke ich auch als ich an der Kasse stehe. Ich wringe mein Portemonaie aus. Mein Rationsschein und ein letzter Fünf-Euro-Schein sind zu einem abartigen grauen Zellstoffklumpen verschmolzen.
Außerstande meine Rechnung zu begleichen sehe ich nur ein Ausweg.
Ich renne den ganzen Weg zum Strand.