Best of 2016

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Es lief schon mal besser…

1 – Großstadtgeflüster – Fickt-Euch-Allee
2 – alt-J – Breezeblocks
3 – Dagobert – Du bist tot
4 – AnnenMayKantereit – Oft gefragt
5 – Disclosure – You & Me (feat. Eliza Doolittle)(Flume Remix)
6 – Low Roar – I’ll keep coming
7 – Pete Doherty – Last of the english roses
8 – Wanda – Bologna
9 – Hilltop Hoods – 1955 (feat. Montaigne & Tom Thum)
10 – Bilderbuch – Spliff
11 – Beginner – Ahnma (feat. Gzuz & Gentleman)
12 – MacMiller – Donald Trump
13 – Faber – Es wird ganz groß
14 – Friedrich Liechtenstein – Belgique, Belgique
15 – The Cat Empire – Eagle
16 – The Eels – That look you give that guy
17 – Faber – Alles Gute
18 – Ninen Inch Nails – Hurt
19 – Cigarettes After Sex – Affection
20 – Dagobert – Zehn Jahre

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Vor 5 Jahren

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21. Mai

Der Hunger überkam mich früher als erwartet. Kaum aus der Berufsschule stand ich erwartungsvoll vorm weit aufgerissenen Kühlschrank. Es machte mehr Sinn direkt zu Jochen in die Stadt zu fahren und zu kochen.

Bei Sonne und großartiger Musik brabbelten wir beide von unseren vergangenen Tagen, überlegten uns Pläne für den Sommer und kochten Spagh-Bollo.
Glücklich und satt saßen wir auf der Couch und konnten uns jeweils in unseren breit grinsenden Gesichtern spiegeln.
Nach eins, zwei Bier, einem Fruchtstrudel in Vanillesoße und allgemeinen telefonischen Absprachen peilte man zusammen mit den Anderen Richtung Campus-Fest.
Während Manchester – Chelsea besiegte hatte der Nachmittag seine Spuren hinterlassen und so schwebte ich mehr als das ich ging. Von Bekannten zu Bekannten, von Bierstand zu Cocktailbar, von gratis Rum zu Feuerwerk.

Es kühlte schnell ab. Ich konnte es nicht mehr nach Hause schaffen. Die Kälte hatte mich spätestens in Höntrop paralysiert, also machte ich mich auf Nickels Laminat lang und fand am Rausch vorbei, in den Schlaf.

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Gesundheit, Glück und ein langes Leben

Ahh…

Die Hauptstadt.

Ich bin zu Besuch bei Ihr im Theater-Exil.
Am Freitag, den 10. Mai, feiert dann „Gesundheit, Glück und ein langes Leben“ in der Kulturfabrik Moabit Premiere.

Inszeniert von Clara Nielebock (facebook-dings hier).

Produktion: Clara Nielebock / Nicolas Plancq

Es geht um…
ja worum gehts denn?

Verfall!
Das Verlottern der Jugend in den Zwanzigern…
Nicht, dass das irgendwie auf unsere Zeit zu übertragen wäre.

Also los! Hin!
YOLO!

Kratz die Kacke ins Notizbuch

„Ich fühl mich so dreckig und verschwitzt.“ sagte sie
„Deine Mudda is‘ dreckig und verschwitzt!“


Ich hing nur Zentimeter überm Boden, fix & fertig in der Camping Bestuhlung und nuckelte bei 32 Grad im Schatten an meinem dritten Bier.
Wir waren auf Hvar angekommen. Ein Inselidyll mit nur vier Orten auf 70 Kilometer Länge. In diesen vier Orten sammelten sich locker flockig 4000 Touristen. Im Schatten.
Ich begann wie ein Irrer die Seiten meines Notizbuches zu füllen. Der Alkohol kratzte den Bleistift übers Papier. Ich zog das Bier leer und schrieb merkwürdige Dinge wie ‚locker flockig‘. Ich nahm mir schwer vor ein Buch zu schreiben. In Gedanken zählte ich nach…
Das wäre dann der dritte oder vierte Versuch. Nie war ich über drei oder vier Seiten hinaus gekommen. Jetzt war ich bereit. Wenn ich nur eine Schreibmaschine oder ein MacBook zur Hand hätte. Der Bleistiftfinger wurde müde. Ich grinste doof und griffelte nach dem nächsten Bier in der muffig-warmen Kühlbox, in der zwei Rotbärsche (Plural) in den Säften ihrer Eingeweide schwammen.
Stöhnend stand ich auf und genoß den Moment in dem mir fast schwarz vor Augen wurde. Mein kleines High.
„Die Duschen sind gemischt.“ Sie stand wieder hinter mir.
„Deine Mudda ist gemischt!“

Entwurf des Winters

Der November ist scheiße.

Es ist weder gemütlicher Herbst noch ist es richtig weihnachtlicher Winter.
Das Jahr ist noch nicht richtig um, aber etwas Neues anzufangen lohnt auch nicht mehr und das Finale kommt erst noch.
Nie scheint die Sonne.
Man kann nicht im Herbstlaub durch den Wald spazieren.
Das Laub ist nass.
Der Wald ist nass, die Schuhe werden nass und überhaupt würde Schnee sowieso viel mehr Spaß machen.
Keiner hat Geburtstag.
Niemand macht mehr Urlaub.
„Jetzt noch Urlaub lohnt sich auch nicht mehr!“
und niemand traut seinen Winterreifen Fahren im Grenzbereich zu.
Der November ist scheiße.

~

Hoppla.
Bin nur so aus Versehen in die Stadt gestolpert und habe einen unvorsichtigen Schlenker gemacht und schon ist es geschehen. Der Vorweihnachtszeit-Super-GAU, die Manifestation des Stresses, Tummelplatz Betrunkener, zwanghaft-fröhlicher Menschen aller Altersklassen. Der Weihnachtsmarkt.
Ich tauche schnell ab, knöpfe mir auch noch den letzten Rest am Mantel zu und lasse das blecherne Gedröhne einer schon viel-zu-lange-laufenden ‚Schönste Weihnachtsliederkassette‘ hinter mir.
Ich will doch nur ehrlich meinen Job machen und für’s Biertrinken bezahlt werden und jetzt bin ich hier in diesem Pack. Der Weihnachtsmarkt ist auch nach dem vierten Glühwein nur schwer zu ertragen.

Zeitsprung:
Vor der, durch die Dunkelheit in alkoholisierte Extase gebrachten Masse flüchtend, werden wir vor ein Geschäft gespült. Ich brauche einige Sekunden bis ich begreife und in sich-alle-umdrehender Lautstärke sage: „H&M BETREIBT HIER EINEN DESSOUS-OUTPOST?!“
Ich trippel hinter meiner Freundin in den Laden hinein. Sie bleibt hier und da mal stehen.
Wie lustig es wäre, wenn ich jetzt extrem laut zu ihr sagen würde, „Nein, ich denke für den sind deine Brüste definitiv zu groß!“ schießt mir durch den Kopf.
Ich beobachte die Handvoll Männer die hier rumsteht oder sitzt, keiner ohne Begleitung und klassifiziert in zweierlei Arten. Die Einen denken ‚Boah, dauert das lange.‘ Die Anderen ‚Boah geil… Ich hab ne Freundin.‘ Die Einen leiden, die Anderen nicht. Wenn sich ihre Blicke treffen gibt es diesen kurzen Moment des Verständnis.

Ich stehe da, während sie rumsucht, „Und der?“ sagt und ich grinse. Mein Blick schweift umher und ich probiere meine tief im Ypsilon-Chromoson eingekerbte Fähigkeit aus, mir die 30-40 Frauen in genau der Unterwäsche vorzustellen, welche sie jeweils gerade fragend in Händen hält.

Als ich bei den Umkleidekabinen auf dem super-modern geformten Sitzdingens absteige, das latent an einen Penis erinnert dröhnen wilde Kommunikationsfetzen, von circa 15 Personen aus den sechs Kabinen an mein Ohr. Ein „Isn’t it too small…like for sleeping…“ schräg hinter mir.

Und dann verlasse ich diese wunderbare, lustige Unterwelt. Ich sollte öfter wiederkommen und mich einfach so zu den Umkleiden setzen, als würde ich warten. In Wirklichkeit sitze ich im Unterwäsche-Aquarium. Das beruhigt.

~

Er steht vorm Spiegel und sagt: „Ich seh‘ schon, wir beide verstehen uns.“
Eine gesunde Selbstverliebtheit ist ganz OK, dachte er.