ein ganz normaler Abend – REVISITED

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15 Monate später ist es noch hell als wir losziehen. Der Eine fastet wieder, der Andere nicht, hat aber aufgehört zu rauchen. Son Quatsch.

Im frühen Abendlicht sieht die Stadt etwas weniger bunt aus als nachts.

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Wiesental


Joe und Ede straucheln aus dem Park.
Hell knallt die Sommersonne ins Wiesental.
Von Irgendwoher schreit ein Kind, als die Beiden abrupt an der Friederikastraße halt machen.
Sie gucken sich müde und versoffen aus zugeknusperten Augen an.
Ein Moment Stille im Morgenbrummen der Stadt.

Um halb drei klammert sich Ede an die zwei Kickerstangen vor ihm. Er verteidigt mit wankenden Vor- und Zurückbewegungen. In seinem Mund fliegt eine Selbstgedrehte hektisch von Winkel zu Winkel. Der Rauch lässt seine Augen tränen. Blind und besoffen spielt er abgrundtief scheiße.
Im Sturm kämpft Joe dem Blutalkohol und Wirren seines Mitspielers zum Trotze dem Sieg entgegen.

Fuffzichcent später krabbelt Joe an der Theke durch sein Portemonnaie und prüft die Finanzlage, während sich Ede langsam, mit einem Arm lässig im Biersiff gelehnt, neben ihm aufbaut.

Zwei Pils

Die Meter durch den Park ziehen sich wie kilo.
Die zwei Fiege von der Tanke beschweren jeden Schritt. Joe, mit Tabak, Zigarettenpapier und Schrittmaß hadernd, bleibt stehen und gibt Ede sein Bier. Ede bleibt stehen, nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Pulle und kotzt Joe vor die Füße.

Haste jetzt in mein Bier gekotzt?!
nene. alles gut. weitergehts.

Vorm Inteshop sitzend sind Ede und Joe gerade damit beschäftigt den Tabak dekorativ auf dem Gehweg zu verstreuen. Hinter Ihnen würde langsam ein hellblaues Glühen den Himmel entlangspazieren. Doch dafür hat Ede keinen Blick. Ein debiler Plan manifestiert sich im Brauwasser seines Hirns.

Freibadeinbrechen!
Jooo!

Bläulich kriecht die Stadt aus dem Bett. Sie ist ganz still.
Wegbier suchend queren die Beiden die menschenleere Esso-Tanke und poltern zu dem müden Tankwart. Wortlos stellt Joe die zwei Fiege auf die Theke.

Sonst noch watt?
Jo und die 3, bitte.

Der Tankwart blickt langsam aus dem Fenster auf die leere Tankstelle. Joe und Ede drehen Ihre Köpfe mit. Sekunden verstreichen und irgendwo fällt ein Groschen aber da walzen die Beiden schon gröhlend aus der Tanke und lachen sich Tränen in die Augen.
Einmal über die Straße. Vor Joe liegt in Morgentau und kühle Blautöne getaucht das Wiesental. Ede bleibt neben ihm stehen und grinst ihn fordernd an.

Eine Parklänge, mehrere Selbstgedrehte und ein Mageninhalt später kommen die Beiden am Vereinsbad an.

Die ham ja schon auf! wie solln wir denn da jetzt einbrechen?
Da sind schon Rentner drin. Warum is das denn so hell?

Ratlos schlagen sich die Beiden ins Gestrüpp. Sie finden einen Picknicktisch nach Hakenkreuzlayout. Edes Bier zieht sich nach seinem gegenläufigen Trinken ohne Ende. Nach einer halben Stunde ist er endlich fertig und lässt die Flasche subtil durch die Stille klirren. Joe hat zwei Kippen vorgelegt.

Und einen Plan!

Wir gehen da jetzt total cool rein. Wir tuen so als wären wir jeden morgen da.
Und wenn sie nen Vereinsausweis haben will?
Is egal, wir müssen nur totale Selbstsicherheit ausstrahlen.
OK.
Bereit?
Jo!

Ede hält die Luft an und zieht den Bauch ein. Auf den letzten paar Metern vorm Kassenhäuschen kratzt er sich die letzten Krümmel Kotze aus dem Shirt. Joe neben ihm schlendert mit einem verdächtigen Höchstmaß an Gelassenheit und hinter seiner Stirn Ausreden und Rechtfertigungen sotierend. Sie biegen um die Ecke. Vor ihnen das vergitterte Eingangstor. Offen. Neben ihnen, jetzt auf gleicher Höhe. Der Platz der Kassiererin. Leer. Sie gucken sich an, um, und schlendern dann wie in Zeitlupe mit schlacksigem Gang in die Umkleidekabinen.

Er hat die beiden Gestalten, die da vor fünf Minuten durchs Tor getorkelt sind noch nie hier gesehen. Und das soll was heißen. Er ist schließlich seit zehn Jahren jeden Morgen hier. Er kennt sie alle. Und die beiden Hottentotten, die in diesem Moment in Unterhosen aus der Tür der Umkleidekabinen sprengen, kennt er nicht. Misstrauisch blickt er nach jedem Brustzug  zum Beckenrand hoch wo der Eine sich gerade vorm „Nicht vom Beckenrand springen!“-Schild einpendelt

Alter geil!

Ede macht einen Köpper, der das bestehende Verhältnis zwischen ihm und seinen Boxershorts erst einmal trennt.
Fünfzehn Minuten Hochleistungssport und Koordinationsbrevet für angetankte Geister später, schleppen sich Joe und Ede mit tropfenden Shorts kichernd vom Beckenrand in die Umkleidekabinen und kurze Zeit später mit tropfenden Hosen und debil giggelnd an der etwas verblüfften Kassiererin vorbei, um dann immernoch vor sich hin blödelnd und mit neu entfachtem Durst aus dem Park zu straucheln.
Hell knallt die Sommersonne ins Wiesental.
Von Irgendwoher schreit ein Kind, als die beiden abrupt an der Friederikastraße halt machen.
Sie gucken sich müde und versoffen aus zugeknusperten Augen an.
Ein Moment Stille im Morgenbrummen der Stadt.

Ede in „Kippenpause“