Es ist immer noch ein Scheißgefühl

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Nächsten Monat, vor einem Jahr ist einer meiner besten Freunde gestorben.
Und ich kann immer noch nicht darüber schreiben. Kann sowieso weniger schreiben als früher.
Mache lieber Fotos. Oder Videozeugs.

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Jetzt, nach fast einem Jahr weiß ich wieviel umgeordnet wurde. Bin ich der Wahrheit in meinem Seelenleben ein ganzes Stückchen näher gekommen. Habe Prioritäten neu gesetzt. Ziele eingetonnt oder ausgegraben.
Aber richtig will sich da nicht drüber schreiben lassen.
Vielleicht, weil ich weiß, wie es sich liest, wenn man da gar nicht drinsteckt, keinen Bezug hat, so wie ich, heute vor einem Jahr ungefähr.
Ich weiß jetzt, dass man es sich nicht vorstellen kann. Wenn man es seinem Gegenüber erzählt, aufdrängt, ihn in die Lage zwingt mit Gefühlen zu reagieren, die man sich nicht ausdenken kann, dann ist mir das unangenehm. Dann gebe ich damit an, schmücke mich damit. Das will ich nicht und versteh es noch nicht so ganz.
Da muss man wohl nochmal drüber nachdenken.

Derweil Fotos aus einem alten Sommer.

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Die Fotos stammen von Ihr und mir.

Vor 5 Jahren

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21. Mai

Der Hunger überkam mich früher als erwartet. Kaum aus der Berufsschule stand ich erwartungsvoll vorm weit aufgerissenen Kühlschrank. Es machte mehr Sinn direkt zu Jochen in die Stadt zu fahren und zu kochen.

Bei Sonne und großartiger Musik brabbelten wir beide von unseren vergangenen Tagen, überlegten uns Pläne für den Sommer und kochten Spagh-Bollo.
Glücklich und satt saßen wir auf der Couch und konnten uns jeweils in unseren breit grinsenden Gesichtern spiegeln.
Nach eins, zwei Bier, einem Fruchtstrudel in Vanillesoße und allgemeinen telefonischen Absprachen peilte man zusammen mit den Anderen Richtung Campus-Fest.
Während Manchester – Chelsea besiegte hatte der Nachmittag seine Spuren hinterlassen und so schwebte ich mehr als das ich ging. Von Bekannten zu Bekannten, von Bierstand zu Cocktailbar, von gratis Rum zu Feuerwerk.

Es kühlte schnell ab. Ich konnte es nicht mehr nach Hause schaffen. Die Kälte hatte mich spätestens in Höntrop paralysiert, also machte ich mich auf Nickels Laminat lang und fand am Rausch vorbei, in den Schlaf.

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Man muss auch mal loslassen können – Teil 2

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Tag 11: kurze Hose

Tag 20: I love it, when a plan comes together

Tag 21: der neue Soundtrack war in der Post

Tag 27: Scheiße is das!

Tag 28: zurück im 389er

Tag 30: es tut mir leid

Die WG ist gekündigt, die Kisten gepackt. Wir trinken viele letzte Biere. Und dann zieh ich wieder bei meinen Eltern ein. Ich sage in den vergangenen Tagen oft: „Mein Zeug stell ich bei meinen Eltern unter.“ Aber plötzlich stehen alle Möbel wieder vernünftig. Die Schränke werden der Übersicht halber wieder bestückt und meine Mutter steht wieder in der Tür und fragt, ob ich was zu essen möchte.
Dinge, die ich in den vergangenen Tagen auch oft sage: „Ne, da bin ich nicht da.“ und „Bis die Tage!“
Das fühlt sich alles ziemlich trippy an. Wenn ich mit der alten Buslinie durch meine Kindheit und Jugend tucker. Wenn ich statt drei Minuten, dreißig nach Hause fahre.
Also trinke ich noch ein paar mehr von diesen letzten Bieren mit Freunden, packe meine Sachen und bin raus, mein Kind.

Die erste Etappe führt nach Berlin, wo Sie gerade wohnt, Theater macht, schreibt und bald nen Fashionblog hat.
Es ist schön warm hier und die ganze Stadt ist schon deutlich sympathischer als noch im Winter.

Achselhaare schmücken im Sommer die Wiese
Achselhaare schmücken im Sommer die Wiese

Streetart in Friedrichshain
Streetart in Friedrichshain

Und in der nächsten Folge:
Wandern auf dem Rothaarsteig

Wiesental


Joe und Ede straucheln aus dem Park.
Hell knallt die Sommersonne ins Wiesental.
Von Irgendwoher schreit ein Kind, als die Beiden abrupt an der Friederikastraße halt machen.
Sie gucken sich müde und versoffen aus zugeknusperten Augen an.
Ein Moment Stille im Morgenbrummen der Stadt.

Um halb drei klammert sich Ede an die zwei Kickerstangen vor ihm. Er verteidigt mit wankenden Vor- und Zurückbewegungen. In seinem Mund fliegt eine Selbstgedrehte hektisch von Winkel zu Winkel. Der Rauch lässt seine Augen tränen. Blind und besoffen spielt er abgrundtief scheiße.
Im Sturm kämpft Joe dem Blutalkohol und Wirren seines Mitspielers zum Trotze dem Sieg entgegen.

Fuffzichcent später krabbelt Joe an der Theke durch sein Portemonnaie und prüft die Finanzlage, während sich Ede langsam, mit einem Arm lässig im Biersiff gelehnt, neben ihm aufbaut.

Zwei Pils

Die Meter durch den Park ziehen sich wie kilo.
Die zwei Fiege von der Tanke beschweren jeden Schritt. Joe, mit Tabak, Zigarettenpapier und Schrittmaß hadernd, bleibt stehen und gibt Ede sein Bier. Ede bleibt stehen, nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Pulle und kotzt Joe vor die Füße.

Haste jetzt in mein Bier gekotzt?!
nene. alles gut. weitergehts.

Vorm Inteshop sitzend sind Ede und Joe gerade damit beschäftigt den Tabak dekorativ auf dem Gehweg zu verstreuen. Hinter Ihnen würde langsam ein hellblaues Glühen den Himmel entlangspazieren. Doch dafür hat Ede keinen Blick. Ein debiler Plan manifestiert sich im Brauwasser seines Hirns.

Freibadeinbrechen!
Jooo!

Bläulich kriecht die Stadt aus dem Bett. Sie ist ganz still.
Wegbier suchend queren die Beiden die menschenleere Esso-Tanke und poltern zu dem müden Tankwart. Wortlos stellt Joe die zwei Fiege auf die Theke.

Sonst noch watt?
Jo und die 3, bitte.

Der Tankwart blickt langsam aus dem Fenster auf die leere Tankstelle. Joe und Ede drehen Ihre Köpfe mit. Sekunden verstreichen und irgendwo fällt ein Groschen aber da walzen die Beiden schon gröhlend aus der Tanke und lachen sich Tränen in die Augen.
Einmal über die Straße. Vor Joe liegt in Morgentau und kühle Blautöne getaucht das Wiesental. Ede bleibt neben ihm stehen und grinst ihn fordernd an.

Eine Parklänge, mehrere Selbstgedrehte und ein Mageninhalt später kommen die Beiden am Vereinsbad an.

Die ham ja schon auf! wie solln wir denn da jetzt einbrechen?
Da sind schon Rentner drin. Warum is das denn so hell?

Ratlos schlagen sich die Beiden ins Gestrüpp. Sie finden einen Picknicktisch nach Hakenkreuzlayout. Edes Bier zieht sich nach seinem gegenläufigen Trinken ohne Ende. Nach einer halben Stunde ist er endlich fertig und lässt die Flasche subtil durch die Stille klirren. Joe hat zwei Kippen vorgelegt.

Und einen Plan!

Wir gehen da jetzt total cool rein. Wir tuen so als wären wir jeden morgen da.
Und wenn sie nen Vereinsausweis haben will?
Is egal, wir müssen nur totale Selbstsicherheit ausstrahlen.
OK.
Bereit?
Jo!

Ede hält die Luft an und zieht den Bauch ein. Auf den letzten paar Metern vorm Kassenhäuschen kratzt er sich die letzten Krümmel Kotze aus dem Shirt. Joe neben ihm schlendert mit einem verdächtigen Höchstmaß an Gelassenheit und hinter seiner Stirn Ausreden und Rechtfertigungen sotierend. Sie biegen um die Ecke. Vor ihnen das vergitterte Eingangstor. Offen. Neben ihnen, jetzt auf gleicher Höhe. Der Platz der Kassiererin. Leer. Sie gucken sich an, um, und schlendern dann wie in Zeitlupe mit schlacksigem Gang in die Umkleidekabinen.

Er hat die beiden Gestalten, die da vor fünf Minuten durchs Tor getorkelt sind noch nie hier gesehen. Und das soll was heißen. Er ist schließlich seit zehn Jahren jeden Morgen hier. Er kennt sie alle. Und die beiden Hottentotten, die in diesem Moment in Unterhosen aus der Tür der Umkleidekabinen sprengen, kennt er nicht. Misstrauisch blickt er nach jedem Brustzug  zum Beckenrand hoch wo der Eine sich gerade vorm „Nicht vom Beckenrand springen!“-Schild einpendelt

Alter geil!

Ede macht einen Köpper, der das bestehende Verhältnis zwischen ihm und seinen Boxershorts erst einmal trennt.
Fünfzehn Minuten Hochleistungssport und Koordinationsbrevet für angetankte Geister später, schleppen sich Joe und Ede mit tropfenden Shorts kichernd vom Beckenrand in die Umkleidekabinen und kurze Zeit später mit tropfenden Hosen und debil giggelnd an der etwas verblüfften Kassiererin vorbei, um dann immernoch vor sich hin blödelnd und mit neu entfachtem Durst aus dem Park zu straucheln.
Hell knallt die Sommersonne ins Wiesental.
Von Irgendwoher schreit ein Kind, als die beiden abrupt an der Friederikastraße halt machen.
Sie gucken sich müde und versoffen aus zugeknusperten Augen an.
Ein Moment Stille im Morgenbrummen der Stadt.

Ede in „Kippenpause“

Urlaub im Stuhl

Dreieinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt warten die zwei entspannt in ihrem Stuhl hängend und Bier süppelnd auf ihren dritten Mann, der hilflos auf der Straße steht und eines seiner fünf Räder sucht.

„Ich würd ma sagen, dass steckt jetzt in dem 40 Tonner, der da gerade drüber geballert is!“

Im Rucksack gesellen sich zum Bier glücklicherweise noch an die 10 Ersatzradlager.

Gleite!