Bestandsaufnahme

Eine weiße Seite. Ein Neuanfang.
Auferstanden aus Ruinen.

Seit ein paar Tagen denke ich wieder mehr an dich, und an dich, und an mich.
Life is getting good again. Or is it?

Du bist ein Phantom in der Stadt, wie ein Gespenst.

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Es ist immer noch ein Scheißgefühl

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Nächsten Monat, vor einem Jahr ist einer meiner besten Freunde gestorben.
Und ich kann immer noch nicht darüber schreiben. Kann sowieso weniger schreiben als früher.
Mache lieber Fotos. Oder Videozeugs.

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Jetzt, nach fast einem Jahr weiß ich wieviel umgeordnet wurde. Bin ich der Wahrheit in meinem Seelenleben ein ganzes Stückchen näher gekommen. Habe Prioritäten neu gesetzt. Ziele eingetonnt oder ausgegraben.
Aber richtig will sich da nicht drüber schreiben lassen.
Vielleicht, weil ich weiß, wie es sich liest, wenn man da gar nicht drinsteckt, keinen Bezug hat, so wie ich, heute vor einem Jahr ungefähr.
Ich weiß jetzt, dass man es sich nicht vorstellen kann. Wenn man es seinem Gegenüber erzählt, aufdrängt, ihn in die Lage zwingt mit Gefühlen zu reagieren, die man sich nicht ausdenken kann, dann ist mir das unangenehm. Dann gebe ich damit an, schmücke mich damit. Das will ich nicht und versteh es noch nicht so ganz.
Da muss man wohl nochmal drüber nachdenken.

Derweil Fotos aus einem alten Sommer.

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Die Fotos stammen von Ihr und mir.

Man muss auch mal loslassen können – Teil 2

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Tag 11: kurze Hose

Tag 20: I love it, when a plan comes together

Tag 21: der neue Soundtrack war in der Post

Tag 27: Scheiße is das!

Tag 28: zurück im 389er

Tag 30: es tut mir leid

Die WG ist gekündigt, die Kisten gepackt. Wir trinken viele letzte Biere. Und dann zieh ich wieder bei meinen Eltern ein. Ich sage in den vergangenen Tagen oft: „Mein Zeug stell ich bei meinen Eltern unter.“ Aber plötzlich stehen alle Möbel wieder vernünftig. Die Schränke werden der Übersicht halber wieder bestückt und meine Mutter steht wieder in der Tür und fragt, ob ich was zu essen möchte.
Dinge, die ich in den vergangenen Tagen auch oft sage: „Ne, da bin ich nicht da.“ und „Bis die Tage!“
Das fühlt sich alles ziemlich trippy an. Wenn ich mit der alten Buslinie durch meine Kindheit und Jugend tucker. Wenn ich statt drei Minuten, dreißig nach Hause fahre.
Also trinke ich noch ein paar mehr von diesen letzten Bieren mit Freunden, packe meine Sachen und bin raus, mein Kind.

Die erste Etappe führt nach Berlin, wo Sie gerade wohnt, Theater macht, schreibt und bald nen Fashionblog hat.
Es ist schön warm hier und die ganze Stadt ist schon deutlich sympathischer als noch im Winter.

Achselhaare schmücken im Sommer die Wiese
Achselhaare schmücken im Sommer die Wiese

Streetart in Friedrichshain
Streetart in Friedrichshain

Und in der nächsten Folge:
Wandern auf dem Rothaarsteig

Kratz die Kacke ins Notizbuch

„Ich fühl mich so dreckig und verschwitzt.“ sagte sie
„Deine Mudda is‘ dreckig und verschwitzt!“


Ich hing nur Zentimeter überm Boden, fix & fertig in der Camping Bestuhlung und nuckelte bei 32 Grad im Schatten an meinem dritten Bier.
Wir waren auf Hvar angekommen. Ein Inselidyll mit nur vier Orten auf 70 Kilometer Länge. In diesen vier Orten sammelten sich locker flockig 4000 Touristen. Im Schatten.
Ich begann wie ein Irrer die Seiten meines Notizbuches zu füllen. Der Alkohol kratzte den Bleistift übers Papier. Ich zog das Bier leer und schrieb merkwürdige Dinge wie ‚locker flockig‘. Ich nahm mir schwer vor ein Buch zu schreiben. In Gedanken zählte ich nach…
Das wäre dann der dritte oder vierte Versuch. Nie war ich über drei oder vier Seiten hinaus gekommen. Jetzt war ich bereit. Wenn ich nur eine Schreibmaschine oder ein MacBook zur Hand hätte. Der Bleistiftfinger wurde müde. Ich grinste doof und griffelte nach dem nächsten Bier in der muffig-warmen Kühlbox, in der zwei Rotbärsche (Plural) in den Säften ihrer Eingeweide schwammen.
Stöhnend stand ich auf und genoß den Moment in dem mir fast schwarz vor Augen wurde. Mein kleines High.
„Die Duschen sind gemischt.“ Sie stand wieder hinter mir.
„Deine Mudda ist gemischt!“

Sommer – Trailer

Es riecht nach Autolack. Nach warmen Steinen im Straßenbelag. Hier und da sogar nach Blüten. Es riecht nach Sommer.
Sommer, als Kind vorm Haus auf der Staße, mit Stöcken und Zwillen hinter heiß flirrenden Kotflügeln kauernd. Wassereis. Und spucken, weil man die Verpackung noch zwischen den Zähnen hat.

Drei Tage gehe ich jetzt tapfer, mit kurzer Hose und T-Shirt raus in die Stadt. Seit drei Tagen bin ich, so kann ich es an den Gesichtern der Passanten ablesen, der Erste. Heute friere ich gar nicht mehr.
Und endlich hab ich die Musik wieder gefunden. Die Sommerknaller sind wieder da. Mit euch kann ich bald durch schattige Wälder radeln. Über heiße Wege und Straßen tippeln. Die Augen dabei zukneifen, in die Sonne schielen und deutlich lauter machen.

Zeit stehlen

An diesem frustrierend heißen Freitag Nachmittag sitz ich geduckt hinter meinen zwei Monitoren und weiche der Sonne aus, die durchs Fenster hereinballert und mich physisch und psychisch fertig macht.

Ich lese gerade diesen Artikel hier als mein Chef langsam, den zuschaltbaren Sport-Auspuff demonstrativ zugeschaltet, vom Hof polltert.
Ich hätte mir gewünscht, er hätte mich gnädige 60 Minuten früher in den Feierabend geschickt, aber drauf geschißen.
Dann wär ich noch locker nach Venlo gekommen und müsste gleich nicht drauftreten wie nen Irrer um noch 3 Paletten Dosenbier zu ergattern.

Noch 10 Minuten Spielzeit, noch 20 Minuten rumsitzen, absitzen, für mich.
Auf meinem rechten Monitor läuft der ARD-Stream von Südafrika – Mexiko.
Vollbild!
Ich schwitze. Überlege ob ich mir nen Becks aus dem Kundenkühlschrank klauen soll.
Wurde gestern nicht die dicke Kassiererin vom Pfand-Bon moppsen freigesprochen?

„Du musst auch mal wieder was schreiben!“

Gelangweilt spiel ich hier noch ein wenig mit den staben…
brauch mein notizbuch, während die sonne mich durchs fenster auslacht.
verschwende meine zeit.
verplemper meine kreativität
…könnte texte gedichte bücher schreiben, kann aber nicht…
da sind schon viele irre geworden

~

Im Kopf hat es noch viele Ebenen, Fäden, Knoten.
Hat Farben, Verläufe und Muster.
Und dann auf der Zunge wird es zum flachen Spruch…

>>Ich kam alleine hier her um zu vergessen<<

Um halb sieben geht oben an der Himmelstreppe in Wattenscheid langsam die Sonne blutrot unter. Da würd ich jetzt gerne sein. Mein Fahrrad liegt die Treppe runter am Hang aus dreckigem Stein. Sowieso ist die Himmelstreppe eine ausgesprochen dreckige Angelegenheit. Die paar dicken Steine die beschmiert in den Himmel ragen.
Beschmiert, das hat mein Mathelehrer immer gesagt, denk ich.
Die paar Wattenscheider Kids, die hier oben überm Lohrheidestadion gemütlich ein durchziehen können, bevors wieder bergab geht, nach Hause.
Ich versuch mich der Gedanken loszusagen da oben. Ich will jetzt Sommer und sitze oben auf der letzten Stufe der Treppe die weit über dem leeren Stadion zum Vergessen einläd.
Im Sommer bin ich gar nicht alleine, da sind die Anderen da, mit Bier und Landmann-Grill und ich brauch nicht an Scheiße denken, die mich doch eigentlich gar nicht interessiert.
Und deswegen, oben auf der Halde, denk ich daran was mich eigentlich wirklich interessiert, wenn das alles vorbei ist. Im Sommer. Weiß ich aber auch nicht. Es ist auf jedenfall vorbei. Alles.

Sommer – Nachruf

Kafka zu lesen ist in etwa so, als würde einem ununterbrochen mit einem Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Kopf gekloppt werden.

~

„Heute sollen über 30 Grad werden.“ Andre sagt das, nur um irgendwas zu sagen. Gegen die Hitze.
Der Betonkrater der Berufsschule kocht. Alles bewegt sich unbeschreiblich langsam. Ich ess‘ Dominoeis und schnauffe nur ein kurzes: „Jo.“
Ich hatte es im Radio gehört, heute morgen, und war noch vor der ersten Stunde auf den Parkplatz des nächsten Praktikers geheizt und hab bei den Kinderplanschbecken hart zugeschlagen. Impulskauf + 10% abgestaubt.
Dass ich heute 180km für nichts und wiedernichts nach Köln und zurück, in meinem glühend heißen, den nächsten TÜV klappernd erwartendem Polo abreiße ist mir plötzlich scheißegal.
Während neben mir, am Betonkrater noch über Schule, Job, Lehrer, Chef und Kunden hergezogen wird, sitz ich schon mit nem White Russian und meinem Arsch im Wasser.