Vor 5 Jahren

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21. Mai

Der Hunger überkam mich früher als erwartet. Kaum aus der Berufsschule stand ich erwartungsvoll vorm weit aufgerissenen Kühlschrank. Es machte mehr Sinn direkt zu Jochen in die Stadt zu fahren und zu kochen.

Bei Sonne und großartiger Musik brabbelten wir beide von unseren vergangenen Tagen, überlegten uns Pläne für den Sommer und kochten Spagh-Bollo.
Glücklich und satt saßen wir auf der Couch und konnten uns jeweils in unseren breit grinsenden Gesichtern spiegeln.
Nach eins, zwei Bier, einem Fruchtstrudel in Vanillesoße und allgemeinen telefonischen Absprachen peilte man zusammen mit den Anderen Richtung Campus-Fest.
Während Manchester – Chelsea besiegte hatte der Nachmittag seine Spuren hinterlassen und so schwebte ich mehr als das ich ging. Von Bekannten zu Bekannten, von Bierstand zu Cocktailbar, von gratis Rum zu Feuerwerk.

Es kühlte schnell ab. Ich konnte es nicht mehr nach Hause schaffen. Die Kälte hatte mich spätestens in Höntrop paralysiert, also machte ich mich auf Nickels Laminat lang und fand am Rausch vorbei, in den Schlaf.

22. Mai

Ich konnte nicht bennenen was unangenehmer schmerzte. War es der von Zigaretten und Dehydrierung verkohlte Rachen? Waren es die gerade ihren Zenit erreichenden Kopfschmerzen? Waren es die vom Fußboden geprellten Knochen?
Vom Schlafsackberg neben mir kam ein durch Kater gepeinigtes Stöhnen. Ich musste aufbrechen, wollte ich nicht von den morgendlichen Passanten als verwahrloster Penner abgestempelt werden.
Draußen schleppte sich die Sonnen hell den Himmel hinauf, darunter schleppte ich mich langsam durch Höntrop. Nach jeder Ecke versprach ich mir mein Bett.

Nachdem ich gekonnt meinen Eltern ausgewichen war schaffte ich es auf vier, fünf Stunden Schlaf vor der Glotze.
In meinen verballerten Augenwinkel schob sich eine Gestalt.
Ich: „Was machst du denn hier?“
Jochen: „Haha… und was machst du hier?“
Ich blickte meine siffigen Klamotten von gestern hinab.
„Ich bin mitm Willi hier. Wir wollten zur Ruhr. Also… Erst zu Mollos, Taxi-Teller essen, dann zur Ruhr.“
„Ja geil! Ich schmeiß mir eben ne neue Hose an.“
Während wir bei Mollos auf unser Essen warteten erfuhr ich Jochens Geschichte. Er war nach dem Campus-Fest mit Willi im Intershop gelandet und hatte bis 6 durchgekickert. Hatte während ich nach Hause getorkelt war kurz gepennt und ist danach mit Willi zu mir gefahren.

Die Ruhrwiesen waren wider erwartend gut besucht und nach ein bis zwei Stunden Frisbee und einer halben Schachtel Luckys war uns nach elektronischer Unterhaltung. Wir fuhren zu mir und ließen den Tag an der Playstation ausklingen.

23. Mai

Acht Stunden Arbeit. Vier bis zur Mittagspause. Vier bis zum Feierabend. Da musste ich jetzt durch. Klar wär ich lieber liegengeblieben, aber das konnte mein, gefühlt, langes Wochenende jetzt nicht mehr aufhalten. Und als der Asphalt unter mir herflog und ich, ganz ohne Stau, zu Hause ankam, hatte ich vorsorglich schon eine kalte Flasche Weißwein parat. Die Flasche Weißwein und ich trafen uns mit einer Flasche Bier und Fabian wieder in Höntrop. Wir hatten Großes vor. Endlich mal raus aus der Stadt, nicht wieder ins ‚Riff‘. Raus und Dortmund unsicher machen.
Um noch die letzten Sonnenstrahlen zu genießen parkten wir uns auf einer Bank im Westpark.

Ein paar Stunden später standen wir im ‚Riff‘.
Warum uns wieder die allgemeine Faulheit überkam, weiß ich nicht mehr, aber ich bin froh das es passierte. Denn, als ich in der kleinen Halle zu einem ganz gewöhnlichen Lied ganz gut abging und mein Blick von meinen Füßen, hoch über die Tanzfläche glitt, sah ich Sie. Die Blicke trafen sich, verharrten und wie ferngesteuert tanzte ich querfeldein in die richtige Richtung.

24. Mai

Wenn ich an diesen Moment denke, noch heute, der dazu führte, dass ich, als die Sonne uns vorm McCafe blendete, ihre Nummer bekam, dann hallt dort noch immer diese eine Textzeile von The Cat Empire durch meinen Kopf.

„You may forget the details
and you may forget the dates
but never…
forget the moment
when the night revealed her face“

Der Verspätung der S-Bahn zum Dank, kam ich zügig wieder nach Höntrop, fummelte mir meine letzte Zigarette in den Mund und fand, dass die Sonne heute heller als sonst auf mich schien. Ich lief mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen durch den Morgen und wankte beim Bäcker rein.

„Guten Morgen, was darf’s sein?“
„Ehh…“
„…“
„Ehhh…Moinsen…“
Ich fummelte den ganzen Haufen Kleingeld zusammen, der mir noch geblieben war.
„Also, ich hab hier…“
„…“
„…eins achtenvierzich, ich nehm soviele Brötchen, wie ich dafür krich.“
„Naja… ich geb dir sechs, aber eigentlich kosten die eins fünfzig!“
„Ey! Super! Die Sonne scheint heute echt heller als sonst!“
Dann wurde mir klar wie bescheuert der Satz klang. Die Bäckerin schaute mich skeptisch voller Fremdscham an.
Ebenso verschämt schnappte ich mir die Tüte, wartete noch einen Moment auf mein Wechselgeld, mit der Hand auf dem Tresen, begriff und verschwand aus der Tür.

25. Mai

Panik und Paranoia überkamen mich kurz nachdem ich die Augen aufgeschlagen hatte. Schnell guckte ich auf die Uhr… Zwölf…
Wenn ich so um eins, halb zwei anrufe, wäre ok, dachte ich.
Ich malte mir alle Telefonat-Eventualitäten aus. Versuchte alle möglichen schlimmen Szenarien zu planen, damit sie sicher nicht in Erfüllung gingen. Das ist so eine Angewohnheit von mir. Was geplant ist, geht mit ziemlicher Sicherheit schief. Ein profylaktisches Ausschlußverfahren.
Halb eins…
Hatte ich die Nummer richtig mitgekriegt und wenn ja, war sie nicht ausgedacht.
Würde sie mich wiedersehen wollen?
Würde ich wohl endlich mal anrufen?
Eins…
Ok, nur die Ruhe, keine Panik. Jetzt nichts überstürzen. Den Moment auch ein bisschen auskosten.
Halb zwei…
Die Nummer suchen.
Nein, besser übers Festnetz anrufen.
Zwanzig vor zwei…
Nummer eintippen und wählen… warten… Ich weiß gar nicht was ich sagen soll… sag: „Hi, hier ist Freddy!“ Nein… besser: „…der Frederik!“ …und was sag ich dann? Oh oh…
Zum Glück geht keiner ran. Tja dann später nochmal. Mal gucken was passiert.

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