ein ganz normaler abend

Ein knusprig kalter Mittwochabend im Januar. In einer Zeit, weit vor der selbstgeißelnden Fastenzeit. Als es noch Kippen und Wegbiere in rauhen Mengen gab und eine Kioskwallfahrt noch Sinn machte.

Ich würde gerne behaupten Mitte letzten Jahres auf die Wortschöpfung „Kioskwallfahrt“ gekommen zu sein, aber das stimmt leider nicht. Trotzdem ist es ein großartiges Wort. Im letzten Jahr habe ich das Kiosk… oder den Kiosk… habe ich die Bude als dienstleistende Institution noch mehr lieben gelernt als vorher schon. Ich habe ein gesundes Misstrauen gegenüber jeder Stadt entwickelt, die nicht an jeder Ecke die Möglichkeit bietet, noch schnell nen Bier auffe Hand zu nehmen. Das kann doch nicht sein das sowas nur im Ruhrgebiet geht. Na gut, vielleicht auch in Berlin und Hamburg, oder hier und da mal gelegentlich, aber mit der selben Selbstverständlichkeit und Dichte wie im Pott? Ne!
Scheiße! In Heidelberg kann ich nach 10 nich ma mehr nen Bier anna Tanke kaufen! Sind die bescheuert?

Ok ich schweife ab…

Wenn nach der Maloche andere Leute zum Sport oder Skatklub gehen, ziehen wir um den Block. Von Kiosk zu Kiosk. Immer so weit ein Bier reicht. Bleiben zum drehen stehen, oder wenn sich irgendwas vor unserer Nase auftut. Praktischerweise lässt sich bei der Gelegenheit auch endlich das Wertstofflager aus Papier und Altglas in Flur, Küche und weiten Teilen des Balkons entschärfen.

Ahh, der Westpark. Reiseziel Nummer eins. Im Winter ist überhauptnichts los. Ausser die paar Hardcore-Jogger die keuchend ihre Kreise ziehen. Ich jogge nur von März bis November, nur bei schönem Wetter und nur einmal pro Monat. Dann aber mindestens ne Dreiviertelstunde.

Im Sommer wabert eine Dunstglocke aus brutzelnden Würstchen und brennendem Halumi über dem Park. Ganze Wohnzimmer werden stundenweise errichtet und wieder abgerissen. Da schlägt sich mit Schmackes der Sportstudent die Slackline in die Eier, woanders wird die Nachbargruppe von der Frisbee skalpiert. Man leiht sich Grillkohle und Grillanzünder. Das Leergut muss nichtmal mehr nach Hause geschleppt werden und die Stadtreinigung schüttelt den Kopf im Angesicht des ein oder anderen Müllberges. Bleibt aber dankenswerterweise entspannt und lässt einen weiterhin Löcher in den Rasenteppich kohlen. Würde es gehen, ich würd direkt im Park zelten.

Früher oder später tut sich auf jeder Tour ein Park auf, doch VORSICHT!
Parks sind groß und nur in den seltensten Fällen mit Büdchen ausgestattet. Der Profi ist daher mit mindestens zwei Bier unterwegs.

Wann kommt der erste Bonbon-Automaten-Skandal? Ich hör die Schlagzeilen schon anpoltern.

„Kacke in Kaugummi entdeckt!“

„Skandal! Kaubonbon schon drei Jahrzente abgelaufen“

oder

„Lebensgefährliche Kinderfalle! Keine Jugendschutzkontrolle bei Spielzeug für ‚unter 3-Jahren ungeeignet‘!“

Eine gepflegte Partie Kioskwallfahrt kann bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Oh man, ich vermiss den Sommer!

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