No_way

Vier Dudesons, enorme Spritpreise, lebendige Blutsaugerwolken, viele, viele Selbstgedrehte, Salzgeschmack, Raucharoma, ein Festival mitten im Meer, unendliche Dunkelheit, mehrere verbrannte Raummeter Lagerfeuer, Nordschleifen-Fahrerskills, Makrelen, Kaviarpaste, Walburger, Grillpølse, 360° Tag, schrumpelkaltes Wasser, ein geländegängiger Avensis, chronisch leere Akkus, ständig volle Speicherkarten und das teuerste Bier später:

„Sorry, we’ve wondered if it’s possible to camp here.“

„Sure!“

„I mean, like right there on the beach.“

„Of course!“

„Oh, ok… and ehh… we have a car… can we, like drive on that beach and park, i don’t know… just right there on the beach. Directly…“

„Yes, yes, you can!“

„Puhh… ok… ehh… Thank You! Great!“

„We’re Lukas Graham from Denmark. We play here tomorrow.“

„Ok… well, never heard of you.“

„We are pretty big in Denmark… Sweden…“

„Ok…
Ey… hat einer von euch schonmal was von lukus grey gehört?“

„Neee… Watt?!“

„Ey lass die doch stehen! Wir gehen zum Hafen! Da is Musik.“

Der kleine Heckenpenner hinter meiner Stirn, der lautstark nach Alkohol verlangt wird gerade von einem anzugtragenden Männchen mit Sack, auf dem ein Dollarzeichen gedruckt ist und einem Männchen, mit Arztkittel bekleidet in einen Wagen verladen, auf dem ein großes blaues Kreuz prangt.

Es ist der vierte Tag Traena. Oder der dritte, je nachdem wann man mit der Zeitrechnung beginnt, was sich als schwierig erweist, weil die Sonne jeden Tag nur für etwa fünf Minuten untergeht.
Wir stehen am Hafen, mit hängenden Schultern neben dem Joker, der Samstags um 18 Uhr zumacht und haben Durst.
Außerdem einen mittelschweren Pseudo-Entzug.
Wir haben heute morgen extra nur ein spartanisches Knäckebrot mit Kaviarpaste in uns reinverleibt. Nichts darf den kostbaren Alkohol trüben. Jeder hat ein Sixpack Carlsberg. Ein Bier, das ich zu Hause nicht einmal umsonst trinken würde… naja vielleicht doch.
Kostenpunkt: 22€

Das Bier ist längst alle, Tabak auch. Verprasst auf einer Bergkette die sich 300 Meter aus dem Ozean erhebt.
Die Schnappsquelle am Zelt ist vor gefühlten Wochen schon versiegt. Zumindest finden wir in den Untiefen unserer Küchen (Tüten) und Keller (Kisten) noch Tabak.

Und jetzt sind wir wieder bei den drei kleinen Männchen in meinem Kopf. Wir blicken auf das Festivalgelände hinab, das nicht größer ist, als das Wattenscheider Weinfest. Die Dose Arctic Bier kostet dort 12€ und ein paar Gequetschte. Also 28Cent. Im Lidl zu Hause würde ich für die paar Gequetschten ein ganzes Bier kriegen.
Der Blickt schweift weiter zu der Grillbude vor dem Festivalgelände. In meine Kopf schreien sich die Drei weiter an. Vor uns packt Manu Chao seine Gitarre aus. Festival ohne Bier geht nicht. Zehn Euro für nen halben Liter, bist du tatsächlich so abhängig. Vielleicht bist du nur ein einziges Mal in deinem ganzen Leben hier. Four beer Please. Carlsberg or Arctic. Arctic. 320 Please.
11 Euro, in St. Pauli gibt es wenigstens noch Titten dazu.

Seit geraumer Zeit versuchen wir dem alltägliche Kaufrausch zu entgehen. Da unser treuer Packesel wenig Platz in Küche (Fach unterm Kofferraum) und Keller (Fach unterm Fach unterm Kofferraum) hat und wir es immer wieder auf erstaunliche Art und Weise schaffen anderthalb Brot am Tag in uns reinzuknabbern, müssen wir fast jeden Tag den nächsten Rema 1000 suchen.

Auftritt: Angel. Wir werden wie in alten Zeiten unser Essen wieder selber jagen. Nur noch so viel wie wir brauchen. Kein Wegwerfen mehr und absolute Wertschätzung für das Leben eines jeden Lebewesens. Es wird nur das gegessen, was die Natur für uns bereithält und nur so viel, wie wir ihr entnehmen dürfen.

1. Versuch.
Nach dem Verlust des zweiten Blinkers geben wir auf.

2. Versuch.
Siehe erster Versuch.

3. Versuch.
Heute werden wir es schaffen! Irgendwann, nach einer Stunde circa beißt etwas. Oder der Blinker verhakt sich. Nein am Ende hängt irgendein Fisch an der Angel. Kann man Ihn essen? Keine Ahnung! Essen wir Ihn? Ja!
Es steht nichts anderes auf dem Speiseplan als dieser Fisch. Selbstgefangen an einem verlassenen Fjord. In der Ferne die Lofoten. Gegart über einem Holzkohlefeuer aus Treibholz vom Strand. Dazu Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch aus… dem Supermarkt.
Trotzdem nagt das Gefühl ein Lebewesen getötet zu haben, damit wir satt werden an mir. Dann nage ich an dem Fisch und es ist Super. Danke Fisch! (Sein name war Kabeljau)

4. Versuch.
Am nächsten Fjord, es ist schon nach Mitternacht und die Sonne scheint. Die Einen lesen, die Anderen halten enspannt die Angel ins Meer. Die Makrele und dieser andere Fisch, von dem wir bis heute nicht wissen wie er heißt, beißen doofer Weise gegen 1 an. Spätes Essen setzt an, wie wir alle wissen, also schmeißen wir die beiden in unseren Kühltank fürs Frühstück.

5. Versuch.
Nach dem Frühstück packt uns der Sportteil des Angelsports. Nach einer knappen Stunde haben wir sechs Makrelen aus dem Wasser gezogen. Wir sind zu viert. Wie viele Fische haben wir heute schon gegessen? Zwei.
Ein Fisch bleibt nach einem epischen Grillmarathon trotz seines vortrefflichen Geschmacks übrig. Ich fühle mich schlecht dabei. Unser Modellversuch ist gescheitert.

Moody Black and White Photo is a GO!

„Also das Bier kostet hier irgendwatt um die 8 Euro, aber es gibt einen Studentenpreis!“

„Yeah“

„7 Euro“

„Geil!“

„Aber die war so nett und so. Ich glaub ich hab der zu viel Trinkgeld gegeben.“

„Ok. Lass die Gläser klauen, die sind schön.“

…vacation lastet longer

4 Gedanken zu “No_way

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