Sound of 2009

20. Januar 2010 von advancedboredom

Eine CD voll 2009 zum selberbasteln

Hier entlang zur Youtube Playlist…

1 ~ Philipp Poisel – Wie Du  (Wo fängt dein Himmel an)

2 ~ Bloc Party – Biko   (Intimacy)

3 ~ Clueso – Gute Musik   (Gute Musik)

4 ~ Patrice – Justified   (Free PatriAtion)

5 ~ Clueso – Gewinner   (So sehr dabei – Live)

6 ~ Band of Horses – The Funeral   (Everything all the time)

7 ~ Xavier Rudd – Edge of the Moon   (Dark Shades of Blue)

8 ~ Thomas D. – Rückenwind   (Solo)

9 ~ Clueso – Vergessen ist so leicht    (Gute Musik)

10 ~ Xavier Rudd – Shiver   (Dark Shades of Blue)

11 ~ Clueso – Wir wollen Sommer   (So sehr dabei)

12 ~ Clueso – So sehr dabei   (So sehr dabei)

13 ~ The Sounds – Lost in Love   (Crossing The Rubicon)

14 ~ Metric – Blindness   (Fantasies)

15 ~ Audioslave – The Curse   (Out of Exile)

16 ~ The National – Friend of Mine    (The Alligator)

17 ~ Xavier Rudd – Energy Song   (Food in the Belly)

>> 2008

Sommer – Nachruf

12. Oktober 2009 von advancedboredom

Kafka zu lesen ist in etwa so, als würde einem ununterbrochen mit einem Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Kopf gekloppt werden.

~

“Heute sollen über 30 Grad werden.” Andre sagt das, nur um irgendwas zu sagen. Gegen die Hitze.
Der Betonkrater der Berufsschule kocht. Alles bewegt sich unbeschreiblich langsam. Ich ess’ Dominoeis und schnauffe nur ein kurzes: “Jo.”
Ich hatte es im Radio gehört, heute morgen, und war noch vor der ersten Stunde auf den Parkplatz des nächsten Praktikers geheizt und hab bei den Kinderplanschbecken hart zugeschlagen. Impulskauf + 10% abgestaubt.
Dass ich heute 180km für nichts und wiedernichts nach Köln und zurück, in meinem glühend heißen, den nächsten TÜV klappernd erwartendem Polo abreiße ist mir plötzlich scheißegal.
Während neben mir, am Betonkrater noch über Schule, Job, Lehrer, Chef und Kunden hergezogen wird, sitz ich schon mit nem White Russian und meinem Arsch im Wasser.

Belanglos

17. September 2009 von advancedboredom
Selbstbildnis bei Stromausfall, Kulli auf Druckerpapier, 2009

Selbstbildnis bei Stromausfall, Kulli auf Druckerpapier, 2009

AdvancedBoredom gibts jetzt seit genau etwas mehr als einem Jahr.

Aus Langeweile will ich da nur kurz drauf rumreiten, weil ich mir das für den Geburtstag eigentlich vorgenommen, aber dann vercheckt habe und um mal wieder etwas Schwung in die rasante Postingfrequenz zu bringen.

Aus Langeweile begonnen, an zeitverschwendenden Arbeitstagen in der alles dominierenden Wirtschaftskrise weitergeführt, ist aus dem ursprünglichen Kanalisationinstrument für verschwendete Kreativität ein Blog geworden, das seither 758 Besucher zählt. Wahnsinn!

26% aller Artikel hier beginnen mit “Ich”.
“Nur für sich” schreiben ist ja auch Kappes.

Kippenpause

24. August 2009 von advancedboredom

Roland und Ede latschen durch den Stadtpark. Nacht. Stockfinster alles, die Bäume, Wiesen, Wege, die Ecken an denen sie straucheln, anhalten und sich Kippen in die Fressen fingern.

Sie waren auf Abenteuer aus…
Ede dreht sich im Schoß noch schnell ne Kippe. Roland hält sich den rasierten 3mm-Haar Schädel. Seine Schläfen hämmern immer dann am gemeinsten, wenn er seine Zähne gegeneinander presst.
Und das Taxi trudelt sie durch die Nacht.
Im Krankenhaus ist es kopfschmerzenhell. Rolands Müdigkeit wird im Wartezimmer verstrahlt.
Ede steht im Halbdunkel des Notaufnahmeportals und raucht das Resultat der Taxifahrt. Breites Grinsen im menschenleeren Krankenhaushof.
In der linken Hand hält Roland seine arg mitgenommene Schachtel Luckys. Er will rauchen, muss aber husten. Seine Schläfen drohen zu platzen, also drückt er die Zigaretten müde in Edes Hand. Die Nachtschwester, die beiläufig hinter ihm ins Zimmer kam führt beide aus dem Wartezimmer in einen kleinen, grellen Behandlungsraum und fragt Roland nach Allergien und Krankenversicherungen. Er hört sie nicht. Das Duett aus Dehydrierung und harten Schlägen kumuliert gerade fieses Dröhnen in seinem Hirn.
Ede lässt sich müde auf einen kleinen Hocker fallen und schaut seinen Fingern dabei zu, wie sie die nächste Zigarette drehen. Ohne aufzusehen beantwortet er, die in gebrochenem Deutsch hervorgebrachten Fragen. Dann schwirrt sie ab.
Die Ärztin kommt und spricht dieselbe Sprache. Ostkreuznachtschicht. Das Duo lässt sich über die unfähige Schwester im Elisabeth-Krankenhaus aus.
Es ist fünf. Die Nacht ist Roland schon viel zu lang.

Um drei standen sie am Bahnhof, Roland mit der Hand am Kopf und Ede mit den Händen in den Taschen, fragend, herausfordernd. Abenteuer?
Er sah in Rolands Augen Schmerz, Wut und Ratlosigkeit. An Rolands Schläfe verkrustete sich Blut.
Die Paar hundert Meter zum Elisabeth reißen sie wortlos ab.
Als Roland die Krankenhaustür sieht lässt das Dröhnen nach. Er wird leicht.
Die dicke Schwester ist müde. Rasch klebt sie mit fleischwurst Fingern ein Pflaster auf die Platzwunde. Sie tut das, was sie schläfrig jeden Freitag bei ihrer Schicht tut. Deswegen kennt sie die Nummer des Taxiunternehmens im Schlaf. Als die beiden Gestalten raus sind, vor dem Portal warten, geht sie wieder schlafen.
Auf der Treppe sitzend, wartend, geht Ede das Zigarettenpapier aus.
Dann wohl Gratis-Taxifahrt; will Ede aufmuntern und sich Blättchen schnorren.
Lange Nacht; Roland knirscht mehr als das er spricht.

Lange Nacht, das glaubt Ede mittlerweile auch.
Mittlerweile fünf Uhr, sitzen sie zum zweiten Mal diese Nacht auf einem Krankenhausportaltreppenabsatz. Schwester und Doktorin haben wiederholt klargemacht, dass auch im Elisabeth Klammerplfaster vorrätig wären. Sie sprachen von: Völlig unnötig, faul und dicke Schwester.
Jetzt waren sie überflüssig gestrandet am Kopfende des Stadtparks und hatten sich nüchtern geraucht. 
Los jetzt, die Straße runter. Bis zur Unterführung, dann links am Park entlang, oder? Sie haben den Park im Rücken. Das muss die falsche Richtung sein. Zurück und in die Dunkelheit des Parks. Stockfinster alles, die Bäume, Wiesen, Wege, die Ecken an denen sie straucheln, anhalten und sich Kippen in die Fressen fingern.

Si Señora, Si Señora ‘06 – Teil 2

28. Juli 2009 von advancedboredom

Was bisher geschah…

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Ich verfolge eine Taktik des Nichteincremens. Schon immer. Ich hasse Creme. Also kühle ich mich etwa alle 20 Minuten im Meer ab.
Michael klatscht sich schnell und unorganisiert ein bisschen Creme auf den Bauch. Am Abend werden seine Finger ein lustiges Muster gezeichnet haben.

Ich sitze am Rand unserer Strand-Enklave im Arschloch-zockenden-Bereich. Ein paar Leute sind im Wasser, andere sind unterwegs zu McDonalds oder einfach noch nicht wach. Guido, Markus und Levent kommen erst gegen halb fünf verballert, aber ausgeschlafen an den Strand.
Die Mädchen versuchen möglichst gleichmäßig braun zu werden, während sie darüber diskutieren, wie es ist schwul zu sein. Der Stufensprecher hatte sich geoutet.
Ich bin damit beschäftigt mein Bier möglichst kältegeschützt im kiesigen Sand zu verbuddeln.
Mindestens einmal in der Stunde ist man unterwegs um Essen oder kaltes Bier zu besorgen.

“Lass diven gehn” schreit Hußlein herüber.
Trainierte Taucherlunge kämpft gegen trainierte Leber.
Die kalte Wasseroberfläche schließt sich über dem Kopf und die Kopfschmerzen, die sich gefährlich einem Sonnenstich nähern, werden gelindert. Wir hängen im Wasser, lassen uns treiben, oder tauchen bis zum Grund. Das Meer ist vielleicht 6 Meter tief. Nicht genug um zu regenerieren.
Außerdem lassen das Luftanhalten und der wilde Wechsel zwischen kalt und heiß, zwischen spanischer Bierpampe und Mittelmeer mein Hirn wie im Wellenbad hin und her schlagen. Ich machs mir an der Wasseroberfläche gemütlich. Sicherheitshalber. Mageninhaltbehaltenderweise.
Schlicht, der nur so heißt, weil es sein Nachname ist, versucht gerade in seiner Erinnerung verlorengegangene Stücke zu rekonstruieren. Jedem fehlt ein bisschen. Ich höre gespannt zu und beobachte den Ameisenhaufen am Strand. Die gesamte Farbskala an Handdtüchern, Badehosen und Bikinis.
“Watt hab ich…Ach du Scheiße?!”
Franziska zieht als erstes blank. Ich murmel “Oh, hat die erste die Titten aufen Tisch gelegt” als ich mich wieder beim Karten spielenden Kollektiv niederlasse.

Heute endet der Strandtag früh.
Deutschland spielt gegen Schweden und die ganze Stadt ist auf den Beinen.
Wir verlieren den Anschluß zum Rest der Gruppe, als wir uns schnell noch ein pappiges Käse-Schinken-Baguette mitnehmen. Es ist voll und heiß und wir passieren wiederholt nervöse Mosos-Legionen.
“Irgendwo muss die Scheißkneipe doch sein.”
Michael sieht, dem Sonnenbrand geschuldet, mittlerweile aus wie die östereichische Flagge. Oberkörper und Waden rot, dazwischen weiß.
Auf seiner Backe hat er, ganz Patriot, die polnische Flagge falsch herum gemalt. Es braucht zwei Stunden bis ihn Fabian darauf aufmerksam macht.
Nahezu die gesamte Stufe hat sich zu den gefühlten 1000 Deutschen in der Bar eingefunden. Wir exen schnell unser Wegbiere und schummeln uns durch den gesamten Laden bis zur Leinwand. Mein Platz ist so gut, ich kann dank einer Säule sogar Splitscreen sehen. Aber bei einem verlockenden Angebot von ‘ziemlich viel Sangria’ für 3€ komme ich mit dem gucken gar nicht so recht nach.
“Laber, da vorne stehn Schwedinen!”
“Wo?”
Ich habe das kleine Grüppchen Blau-gelb bekleideter Blondinen als Erster ausgemacht. Rechts von der Leinwand, an vorderster Front trotzen sie dem deutschen Fangebrüll. Auf dem Bildschirm stehts leider schon 2:0. Das tut mir ein bisschen leid, auch das betrunkene Rumgeschreie. In meinem von süßem Rotwein und Orangenscheiben verklebten Kopf beschließe ich mich für den Sieg und unser Verhalten zu entschuldigen. Ich stiefel los. Immer geradeaus durch die gröhlende Menge. Als ich das WC-Schild sehe, denke ich, wenn du schonmal hier bist, kannste ja auch gleich nochmal pissen gehn. Ich komme vom Klo und hab meinen Plan vergessen. Fällt mir erst wieder ein, nachdem ich mich wieder bis zu meinen Freunden hinter der Säule durchgekämpft habe. Scheiß auf Völkerverständigung.
Spätestens seit der Halbzeit ist klar, dass die Freundenfeier bei Abpfiff leicht ausser Kontrolle geraten könnte, und so ergießen sich aus sämtlichen Kneipen tausende heisere Fans auf die Hauptstraße.
Bei den Mosos steigt der Blutdruck angesichts einer autonomen Übermacht, aber vor lauter Fans sehe ich keinen einzigen Polizisten mehr. Mit einer Humba nach der anderen kommen wir nur schleppend voran und so ist die Hauptstraße etwa eine Stunde unfreiwillig gesperrt, bis der Letzte von der Straße auf den Strand gespült wird.

Ich komme vom Supermarkt mit einem kurzen Umweg übers Baguette-Büdchen und keiner ist da. Ich stehe vor verschloßener Tür.
Zimmernummer… Stimmt, Berg aus leeren Flaschen der sich vor der Tür angehäuft hat… Stimmt auch.
Das Baguette tropft seine Eingeweide auf Hose und Boden, mein Rucksack ist bis zum Zerreißen mit 1-Liter-San Miguel und Sangria Pullen gefüllt und ich klopfe wie ein Bekloppter gegen die Zimmertür und bereue flashbackartig den Schlüßel an einen der beiden versoffenen Vögel abgegeben zu haben. Ich hab vergessen an wen.

Erst versuche ich’s bei den Mädels im fünften Stock.
In einem Dreibettzimmer sind 15 Leute versammelt. Fabian und Jan-Erik sind die einzigen beiden Jungs.
“Hast’n Micha geseh’n?”
“Nö.”
“Schlüßel?”
“Häh…nö.”
Zwei Stockwerke tiefer klopf ich laut an die Tür von Moritz Levent und Schlicht. Ich bin genervt, weil sich die Alkoholvorräte unserer Wohngemeinschaft tief in meinen Sonnenbrand an Rücken und Schultern verbeißen. Eigentlich herrscht Alkoholverbot im Hotel, was den Transport ins Zimmer ohnehin immerwieder zum Wagnis werden lässt.
Aus dem Zimmer dröhnt ohne Rücksicht auf Verluste ‘Sureshot’ von Tomcraft. Irgendwann macht irgendwer die Tür auf. Schlicht liegt leichenstarr im Bett und pennt laut schnarchend. Dabei steht sein Arm periskopartig senkrecht angewinkelt ab.
“Wie kann der denn so schlafen?”
“Keine Ahnung. Der is einfach vor ner Stunde wortlos aufgestanden, ins Bett gegangen und seitdem liegt der da so.”
“Is der Micha hier?”
“Hiiiieer!”
Aus der letzten Ecke des Balkons winkt eine Hand mit Tüte.
Fertig und verschwitzt lasse ich mich auf den Balkonboden fallen und kralle mir gierig Schlüßel und Tüte. Ich höre beiläufig einer Geschichte aus irgendeinem Mädchenzimmer zu.
Demnach durfte der nun unparteiische Stufensprecher soeben fachgerecht beurteilen welches Mädchen unserer Stufe die schönsten Brüste hat.
Einvernehmliches Raunen und “WAS HAT DER?!”
Dazu mussten sich natürlich alle vor dem Juror entblößem und es soll stellenweise auch zu habtischen Prüfungen gekommen sein.
“WAS?!”
Neidvolle Gesichter. Alle ärgern sich, dass sie nicht schwul sind. So als Masche.
“Und wer hat gewonnen?”
“Ich glaub Henrike.”
“WAS?!” Christopher scheint das nicht sehr zu gefallen.
Von unserer ganzen Gruppe werden nur Dreibettzimmer belegt. Einzige Ausnahme Christopher und Henrike. Die sind zusammen.
Ich schweife ab, bin dabei eine Sangriaflasche zu öffnen, hab kein Glas.
Während ich mir mit einem stumpfen Taschenmesser aus einer Plastikflasche einen Becher herrauspfeile hangelt Guido den direkten Weg zwischen diesem und dem genau über uns liegendem Zimmer hinunter. Unter heftigem Geschrei des Portier, der sich das zusammen mit einer johlende Masse vom Pool aus ansieht. Danach zählt er plakativ die Etagen und Zimmer ab. Drei hoch…vier rechts…
Zuviel Hektik, zuviel Wein, ich brauch Schlaf.

Als der Schaum einsetzt ertrinke ich fast.
Wie ein Irrer hab ich mich darauf gefreut. Um punkt 12 steh ich mitten auf der Tanzfläche, um mich herum alle meine Freunde und dann kommt der Schaum.
Alle jubeln, alle schreien, tanzen…atmen ein…wollen schreien.
Dann sehe ich nichts mehr. Nur noch Schaum, Schaum, Schaum, dunkle Silhouetten und buntes Licht von oben, aber mir wir schlagartig klar wo bei der Schaumparty der Haken liegt. Man kann einfach nicht mehr atmen.
Ich fange an wild rumzuhusten, verschlucke mich, erinnere mich geistesabwesend des halben Bieres, das ich manisch umklammere, trinke ein Schluck und kann dann nur noch würgen. Ich würge mich von der Tanzfläche zur Bar und bestelle gurgelnd ein neues Bier. Mittlerweile kommen noch mehr an die Bar geflüchtet. Mareike wird dramatisch von Levent gestützt, spricht davon, dass er ihr das Leben gerettet hat.
Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Das merke ich auch als ich an der Kasse stehe. Ich wringe mein Portemonaie aus. Mein Rationsschein und ein letzter Fünf-Euro-Schein sind zu einem abartigen grauen Zellstoffklumpen verschmolzen.
Außerstande meine Rechnung zu begleichen sehe ich nur ein Ausweg.
Ich renne den ganzen Weg zum Strand.